“Amnesia – The Dark Descend” Review

Wiedermal ein Horror-Trip. Dieses Exemplar von Frictional Games kam aber bereits 2010 auf den Markt, um dir das Gruseln zu lernen. War das Spiel so gut, wie die Steam Community mit 10’000 Stimmen behauptet (“overwhelmingly positive”)? Diese Frage stellte ich mir auch und zockte das Ding durch. Weiter unten meine Gedanken dazu.

Trailer

Review (auch auf Steam)

“Amnesia – The Dark Descent” ist, was der Titel verspricht: Es ist “Dark” und es ist “Dezent” …äääh “Descent” …”Desczent”? Whatever.

Was soll ich zu dem Titel sagen? Er ist oldschool, das auf jeden Fall. Das merkt man spätestens nach dem ersten Loadingscreen und dem Erwachen auf dem Fussboden irgendeines Barons in Brandenburg – so der Start der Story. Die Grafik ist, sagen wir mal, “Desczent”, wie auch so vieles Weiteres, wie ich in den 6h, in welchen ich das Game durchgespielt habe, herausfinden musste. Ich wusste aus dem Vorfeld, dass es sich um ein Schleich- und Puzzlespiel handelt, in welchem du keine Waffen tragen, geschweige denn einem Zombie mit ‘nem Knüppel oder Zauberstab eins über die Rübe ziehen kannst – “Desczent” eben. Unser Protagonist, Daniel (immerhin mal ein anständiger Name), ist aber mit einer Laterne ausgerüstet (oldschool), in welche du regelmässig Öl nachgiessen musst (das ist jetzt nicht irgendeine Anspielung oder so). Diese spendet Licht und wärme… oder äm… zumindest auf jeden Fall Licht. Von der Wärme habe ich diesesmal nicht so viel mitbekommen (“Dark”). Daniel ist nämlich geplagt von Amnesie (Spoiler-Alert) und zudem psychisch höchst labil, was sich besonders in der Dunkelheit bemerkbar macht: Dann beginnt sich Daniels psychischer Zustand innert Sekunden zu verschlechtern wie bei einem Snapchat-Junkie ohne Internetverbindung und er kriegt eine Mischung aus Panik und Paranoia, was dem Spieler via Knacksgeräusche und verschwommener Sicht symbolisiert wird und aus dem Spiel eine Mischung aus “The Blair Witch Project” und “Fear and Loathing in Las Vegas” macht, nur ohne die coole Musik.

Doch zurück zur Realität: Die Grundmechanik des Spiels stimmt und die Paranoia-Effekte sind eine nette Idee zu dem sonst eher repetitiven Horror-Genre. Was bei diesem Spiel deutlich hinter meinen Erwartungen zurückblieb ist die Story: Diese bleibt bis zum bitteren Ende überaus “Desczent”. Da hätte ich mehr erwartet! Zu Beginn gibst du dem Spiel noch eine gewisse Anlauffrist und redest dir ein, dass das Game dann schon an Fahrt aufnimmt. In der Tat spitzt sich die Geschichte von Level zu Level resp. Raum zu Raum zu (das Spiel findet ausschliesslich innerhalb von Burgmauern statt – Spoiler-Alert!). Dennoch schaffte es Amnesia nicht, mich wirklich zu fesseln: Zu monoton die Atmosphäre, zu vorhersehbar die Geschichte und zu plump dann letzten Endes der Abschluss – da wäre mehr drin gewesen! Dennoch muss man sagen, dass auch hier wieder das Spiel gut vertont wurde und die etwas angestaubte Geschichte spannend erzählt wird. Dennoch Schade hat die Geschichte keine unerwartete Wende oder sonstige, erwähnenswerte Höhepunkte. Das Spiel bleibt seinem Titel auch in dieser Hinsicht treu bis zum Schluss.

Was mich aber vom Hocker riss – und dies im positiven Sinne – war der Gruselfaktor: Mann gehts dir kalt den Rücken runter, wenn das erste Mal einer der netten Kerkerbewohner von nebenan auf eine Tasse Kaffee vorbeikommt! Die Geräuschkulisse gibt auch hier wiedermal ihr Bestes (SOMA lässt grüssen) und ich kam einige Male ganz schön ins Schwitzen deswegen. Schade fand ich, dass es sich über das gesamte Spiel hinweg auf einige wenige Gegner beschränkt (“Desczent” eben). Diese sind dafür furchteinflössend für zwei… Ebenfalls erhöhten Puls hatte ich wegen den Puzzle-Elementen: Mann waren die zum Teil nerfig! Stellenweise suchst du dir einen ab wie in der Küchenabteilung von IKEA, um dann festzustellen, dass du ein kleines Hebelchen an der Wand oder ein Buch im 14. Bücherregal links übersehen hast. Wiederum oldschool und nicht mein Ding, Spielspass ist für mich anders! Es gibt aber laut Gerüchten Leute, die genau bei solchen Suchaktionen total abgehen… sind wohl auch IKEA Gänger. Hier hätte ein wenig mehr “Desczent” dem Spiel ganz gut getan nach meiner Meinung! Aber wer fragt mich schon…

So bleibt am Ende des Tages die Frage: Too “Desczent” oder not too “Desczent”? Ich würde sagen: Entscheidet selbst! Auf der einen Seite hat das Spiel einen starken Charakter und wird dir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Auch macht es an sich einen “Desczent”-Runden Eindruck und hält bis auf weite Sicht, was es verspricht: Es ist ein oldschool Horror-, Schleich- & und Puzzlespiel und lässt dich stellenweise bis auf die Knochen zittern. Für einen Top-Titel fehlt mir aber ganz klar mehr Tiefgang, eine ausgeklügeltere Story und ein allgemein höherer Unterhaltungswert. Denn wenn man schon nur schleichen und sich in die hosenscheissen kann, dann sollte es sich im Endeffekt wenigstens gelohnt haben – warum auch immer!

5/10

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